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San Francisco _
Stadtinformationen
San FranciscoUreinwohner und erste europäische Besiedlung
Kaliforniens ursprüngliche Einwohner überquerten wahrscheinlich
vor ca. 25.000 Jahren die damals noch bestehende Landbrücke von Asien
aus zum amerikanischen Kontinent. Die Westküste bot mit ihrem mildem
Klima, den großen Waldgebieten und fischreichen Süßwasserseen
für zahlreiche Stämme einen idealen Lebensraum; im heutigen Staatengebiet
von Kalifornien lebten ca. 300.000 Indianer, als im 16. Jahrhundert die
ersten Europäer die kalifornische Küste erkundeten. Rund um die
Bay hatten sich im Norden die Miwoks mit 3.000 Stammesmitgliedern niedergelassen,
im Süden die Ohlonen, die ungefähr 10.000 Menschen zählten.
Die kalifornischen Stämme lebten in Dorfgemeinschaften, waren Jäger
und Sammler und im Unterschied zu manch anderen nordamerikanischen Indianern
sehr friedfertig. Bei dem freundlichen Empfang, den sie den Weißen
bereiteten, ahnten sie noch nicht, dass deren Ankunft die baldige
Ausrottung ihrer Kultur bedeutete. Im Auftrag von Karl III. errichtete der Franziskanerorden weitere Missionen
mit dem Ziel, die Ureinwohner zum Christentum zu bekehren. Die Christianisierung
war das Ende der indianischen Kultur: die Mönche zwangen den Stämmen
nicht nur eine neue und ungewohnte Lebensweise auf, sondern ließen sie
auch Zwangsarbeit verrichten. Eingeschleppte Krankheiten wie Masern, die
für Europäer harmlos, für die Indianer jedoch tödlich
waren, taten ein Übrigens; innerhalb weniger Jahrzehnte waren die
meisten Ureinwohner ausgerottet. Von ihrer Kultur wissen wir wenig. Bis
auf ein paar Gebrauchsgegenstände, wie z. B. Flechtkörbe und
Jagdwaffen blieb kaum etwas erhalten.
Von Yerba Buena zu San Francisco
Bis 1821 war die Mission ein unbedeutender spanischer Außenposten.
Dies änderte sich, als im selben Jahr Mexiko von Spanien unabhängig
wurde, und damit auch die Missionen an Mexiko fielen. Diese wurden säkularisiert
und Yerba Buena, wie San Francisco damals noch hieß, entwickelte
sich zu einem aufblühenden Handelsstützpunkt. Ein englischer
Seemann hatte die Ansiedlung wohl nach der reichlich gedeihenden Minze Yerba
Buena, span. "gutes Kraut", getauft, und die erste Straße, die spätere
Grant Avenue
angelegt.
Um 1845 zählte Yerba Buena ca. 350 Einwohner.
Die folgenden Jahre brachten einschneidende Veränderungen, zunächst
erklärten die USA 1846 Mexiko den Krieg und im Zuge seiner Niedergelage musste
Mexiko zahlreiche Gebiete an die USA abtreten, darunter auch
Kalifornien. Im selben Jahr noch hatte eine Yankee-Truppe den mexikanischen
Gouverneur zum Verzicht auf Kalifornien gezwungen, eine Flagge mit einem
Bären gehisst, und die unabhängige kalifornische Republik
ausgerufen. Wenngleich die Republik etwas kurzlebig war - bereits 1848
wurde Kalifornien offiziell amerikanisch - so blieb der Bär: bis heute
ziert er die Fahne Kaliforniens. Mit der Eingliederung in die Union erhielt
Yerba Buena auch seinen endgültigen Namen, nämlich San Francisco.
Trotz des florierenden Handels und seiner wichtigen Stellung als Hafenstadt
der Westküste war San Francisco immer noch ein relativ beschauliches
Plätzchen mit ein paar hundert Einwohnern. Damit war es 1848 jedoch
schlagartig vorbei: in der Sierra Nevada bei Fort Sutter war Gold gefunden
worden. In nur 14 Jahren katapultierte dieses Ereignis San Francisco vom
Dorf zur viertgrößten Stadt der USA.
Der Goldrausch
Den ersten Ansturm erlebte die Stadt 1849, nachdem die Nachricht vom
Goldfund im Dezember 1848 offiziell vom amerikanischen Präsidenten
verkündet worden war. Um die 25.000 Glücksritter der ersten Stunde,
die so genannten forty-niners, strömten in die Stadt. Die meisten
kamen über den Seeweg, infolgedessen war der Hafen bald übersät
mit Hunderten von eilig zurückgelassenen Schiffen. Man kampierte in
Zelten, rüstete sich mit entsprechender Gerätschaft aus, und
machte sich schleunigst auf den Weg zu den diggins. Dort erwarteten
die Goldsucher zum Teil sehr harte Lebensbedingungen - die Szene von Charlie
Chaplin, der als Goldsucher in dem Stummfilm "Goldrausch" versucht seinen
Schuh zu verspeisen, schildert dies eindrücklich. Die Goldwäsche
selbst gestaltete sich ebenfalls recht mühsam, Flusssand wurde
in Stielpfannen oder Holzkästen auf Nuggets oder Goldstaub durchgesiebt.
Doch die Ausbeute entlohnte für die Mühen: 1849 wurde Gold im
Wert von 10 Millionen Dollar geschürft, im Rekordjahr 1952 sogar im Wert von
150 Millionen Dollar. San Francisco wurde zur Boomtown, in der viele der schnell zu
Reichtum gekommenen Goldschürfer diesen Reichtum auch ebenso schnell
wieder verjubelten.
Schell war das leicht zugängliche Gold in den Flüssen ausgewaschen,
und es mussten Minen angelegt werden, um an weiteres Gold heranzukommen.
Damit ging das Geschäft in die Hände von Bergbauunternehmen über,
die viele der einstmals unabhängigen Goldsucher als Minenarbeiter
beschäftigten. Ab 1854 flaute die Hysterie ab, die Goldvorräte
waren weitgehend erschöpft. Durch Silberfunde in der Sierra Nevada
1859 belebte sich die Wirtschaft wieder, doch lösten die Silberminen
keine dem Goldrausch vergleichbare Massenbewegung aus. Richtig reich wurden
mit dem Silber auch hauptsächlich drei Bergbauunternehmer: die "Bonanza
Kings" scheffelten ein sagenhaftes Vermögen, womit sie sich unter
anderem protzige Paläste im Stadtteil Nob Hill erbauten.
Die
Vorliebe für aufwendige Stadtresidenzen teilten sie mit den "Big Four",
vier mächtigen Geschäftsleuten, die ihren
Das Erdbeben von 1906
Das Beben mit einer Stärke von 8,2 auf der Richterskala vom 18.
April 1906 dauerte nur knapp eine Minute, doch die Zerstörung war
gigantisch. Es war das stärkste Beben, das San Francisco bis dato erlebt
hat.
Zudem waren es weniger die Erdstöße, die sich so verheerend
auswirkten, sondern die Brände, die durch geborstene Gasleitungen
und Elektrizitätskabel hervorgerufen wurden. Über 50 Brandherde
entfachten sich in der Stadt, denen die Feuerwehr nahezu ohnmächtig
gegenüber stand, da auch die Wasserleitungen geplatzt waren. Das Feuer
konnte sich ungehindert ausbreiten, wütete drei Tage lang und entwickelte
eine Hitze, die Stein zum schmelzen brachte. Allein
die Rauchsäule soll acht Kilometer hoch gewesen sein. Danach lag nahezu
die ganze Stadt einschließlich sämtlicher Verwaltungsgebäude
in Schutt und Asche, von den 400.000 Einwohnern waren 250.000 obdachlos
geworden, und ein grob geschätzter Schaden von 500 Millionen Dollar entstanden.
Die meisten der Obdachlosen kampierten in Zelten oder Notunterkünften
im Presidio, im Golden Gate
Park, oder sie wurden mit Fähren
nach Oakland evakuiert. Die Versorgung der Menschen gestaltete sich zunächst
schwierig, doch mit Hilfe von Spenden und den ausbezahlten Brandversicherungen
hatte die Stadt die Situation bald im Griff. Die Jahre bis zum zweiten Weltkrieg
Weder vom ersten Weltkrieg noch von der Prohibition wesentlich berührt,
erlebte San Francisco in den zwanziger Jahren eine neue Blütezeit,
in der die Stadt Museen und Theater wie das War Memorial Opera
House oder das Civic Auditorium errichtete. Spitzenerträge der
kalifornischen Landwirtschaft und eine Industrie, die durch Erdölfunde
angekurbelt wurde, bildeten den ökonomischen Hintergrund dafür.
Während San Francisco
1939 die Eröffnung der beiden Brücken mit der Golden Gate International
Exhibition auf der Treasure Island feierte, brach in Europa
der zweite Weltkrieg aus. Durch den japanischen Angriff auf Pearl Harbor
1941 befand sich San Fransisco durch seine geographische Lage plötzlich
mitten im Kriegsgeschehen und wurde zum wichtigsten Militärhafen für
die Pazifikeinsätze; in Fort Mason wurden über 1,6
Millionen Soldaten eingeschifft. Dazu kam eine wachsende Kriegsindustrie: in Richmond
und Sausalito baute man neue Werften, und die Anzahl der Arbeiter in der
Industrie verdoppelte sich. Die neuen Arbeiter waren vor allem schwarze
Zuwanderer aus dem Süden der USA, was den Bevölkerungsanteil
der Afroamerikaner verzehnfachte.
Von den Fünfziger Jahren bis heute: San Francisco als ethnischer
Schmelztiegel und Mekka der Gegenkulturen
Aber auch Künstler und Aussteiger verschiedenster Couleur sammelten
sich seit den fünfziger Jahren bevorzugt in San Francisco. Dabei war
es, wie bei dem Schwulenviertel Castro, immer eine bestimmte Neighbourhood,
die von der jeweiligen Bohème bevölkert wurde - meist Viertel
mit billigen Mieten. Wie die einstigen Pioniere machten sich in den fünfziger
Jahren Studenten und Schriftsteller von der Ostküste auf den Weg nach
Westen auf der unbestimmten Suche nach anderen Lebensmodellen. Die bürgerlich
sesshafte Lebensweise wurde gegen ein abenteuerliches Leben "On the
Road" eingetauscht, wie es Neal Cassady in seinem berühmt gewordenen
Roman von 1957 beschreibt.
Schließlich ließen sich die Beatniks,
wie Jack Kerouac, Neal Cassady und Allen Ginsberg im Stadtteil North Beach
nieder; ihnen folgten in den sechziger Jahren die Jugend-und
Protestbewegung der Hippies in der Haight-Ashbury und die Studentenrevolten
in Berkeley, die den Ausgangspunkt für die Anti-Vietnam-Bewegung bildeten.
Ebenfalls in den Sechziger Jahren formierten sich in Oakland die Black-Panthers,
eine bewaffnete Gruppierung, die mit ihrem Bekenntnis zur Gewaltbereitschaft
Aufsehen erregte und mehr Rechte und Selbstbestimmung für
die schwarze Bevölkerung forderte. Nach einigen Schießereien
mit der Polizei haben sich die heutigen Black Panthers allerdings
mehr auf soziale Projekte verlegt.
Schufen all diese Strömungen auch ein bemerkenswertes Klima von
Offenheit und Toleranz, so wird San Francisco doch auch von denselben Nöten
geplagt, wie andere amerikanische Großstädte auch: Rassenkonflikte
und Obdachlosigkeit. Zwar ist die Kriminalitätsrate verglichen mit
Metropolen wie Los Angeles niedrig, und die Stadt für den Besucher
relativ sicher, doch sind in den von Schwarzen und Latinos bewohnten Vierteln
wie der Mission sind Armut und Drogenkriminalität ständige
Probleme.
Unübersehbar sind die vielen Obdachlosen, man schätzt, dass in San Francisco jährlich 25.000 Menschen obdachlos werden. Zwischen
8.000 und 10.000 Menschen leben auf der Straße, das sind gut 1 % der
Bevölkerung. Tatsächliche Lösungen für das Problem
konnte die Stadtverwaltung bis jetzt noch nicht bieten; rigide Maßnahmen,
wie das Matrix-Programm - euphemistisch "Quality of Life-Program" genannt -,
das von Bürgermeister Frank Jordan 1993 ins Leben gerufen wurde, und
der Polizei spezielle Befugnisse gegenüber den Homeless einräumte,
werden sehr kontrovers diskutiert, und sorgen für politischen und
sozialen Zündstoff.
In den letzten beiden Jahrzehnten wurde San Francisco nicht nur von
Rezession und Naturkatastrophen gebeutelt, wie dem Erdbeben von 1989 und
den großen Waldbränden 1991, sondern war auch besonders hart
von der AIDS-Epidemie betroffen. Doch San Francisco wäre nicht San
Francisco, wenn sich hier nicht verschiedenste Hilfsorganisationen und
Initiativen gebildet hätten, um einerseits den Betroffenen und ihren
Angehörigen zu helfen, und andererseits mit öffentlichkeitswirksamen
Kampagnen, wie dem names project, Gelder für bessere medizinische
Versorgung und Forschung locker zu machen. |
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