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Chinatown

Chinatown
8. Juni 2017 uwefreund

San Francisco - Chinatown

San Francisco: Chinatown

Durch das reich verzierte Drachentor Bush / Ecke Grant Street betreten Sie eine eigene Stadt innerhalb der Stadt: mit ca. 75.000 Bewohnern ist San Franciscos Chinatown noch vor New York die gr√∂√üte asiatische Gemeinde in den USA. Obwohl zwar heute viele Chinesen √ľber die ganze Stadt verteilt leben, ist Chinatown doch das Zentrum der chinesischen Gemeinde geblieben, und abseits der touristischen Hauptmeile Grant Avenue spielt sich in den Gark√ľchen, L√§den, W√§schereien, Tempeln und Gl√ľckskeksb√§ckereien nach wie vor lebendiger chinesischer Alltag ab.

Wer heute durch das bunte Treiben den Stadtteil spaziert, kommt nicht auf den Gedanken, da√ü Chinatown fr√ľher als Rotlichtbezirk mit Gl√ľcksspiel und Opiumh√∂hlen ein √ľbel beleumundetes Viertel war und eigentlich als Ghetto begonnen hatte: nach dem Abflauen der Goldrausches, der die erste chinesische Zuwanderungswelle ausgel√∂st hatte, und den folgenden √∂konomischen Krisen, empfand man die¬† um 1875 ca. 46.000 ans√§ssigen Chinesen als Bedrohung. Sie wurden zur „Gelben Gefahr“ gestempelt, in ein Ghetto – das heutige Chinatown – zusammendr√§ngt, und hatten neben absurden rechtlichen Schikanen, wie z. B. einer Zopfsteuer, auch immer wieder gewaltt√§tige Ausschreitungen gegen ihre Gemeinde zu erdulden. Dabei war ganz schnell vergessen, da√ü es gerade die Knochenarbeit der schlecht bezahlten kulis war (ku li, chinesisch f√ľr „bittere Arbeit“) , die unter anderem den Bau der transkontinentalen Eisenbahn √ľberhaupt erst erm√∂glichte.¬†

Nachdem Chinatown beim gro√üen Erdbeben 1906 fast restlos zerst√∂rt worden war, bauten die Chinesen ihr Viertel recht schnell an der selben Stelle wieder auf und kamen damit den Pl√§nen der Stadt zuvor, das Chinesenviertel an den unattraktiven Stadtrand abzuschieben. Damit ist Chinatown bis heute das einzige Immigrantenviertel, das seine urspr√ľngliche Lage behalten hat. Erst in den vierziger und f√ľnfziger Jahren dieses Jahrhunderts wurden St√ľck f√ľr St√ľck die Diskriminierungsgesetze gegen die Chinesen aufgehoben und damit der Weg zu einer Integration geebnet.

Chinatown l√§sst sich eigentlich nur zu Fu√ü erkunden. F√ľr einen f√ľr einen Spaziergang bietet sich als Ausgangspunkt San Franciscos √§lteste Stra√üe, die Grant Avenue, an, ehemals Calle de la Fundaci√≥n. Sp√§ter in Dupont Street umbenannt, wurde aus ihr schlie√ülich 1906 die Grant Avenue. Mit der Namensgebung nach dem US-Pr√§sidenten Grant sollte die Stra√üe, die fr√ľher mit Bordellen ges√§umt war,¬† respektableres Flair gewinnen.¬†

An der Kreuzung Grant Avenue / California Street lädt der kleine Park St. Mary’s Square zu einer Verschnaufpause ein. Die 1854 errichtete katholische Kirche St. Mary’s war eines der wenigen Gebäude, das beim Erdbeben 1906 nicht zerstört wurde, wohingegen die umliegenden Bordelle und Spielhöllen allesamt dem Beben zum Opfer fielen.

Anschlie√üend k√∂nnen Sie √ľber die Sacramento und Commercial Street bis hin zum historischen Zentrum des Viertels, dem Portsmouth Square schlendern, den ein Denkmal des einstmals hier ans√§ssigen Romanautors Robert Louis Stevenson ziert. Heute ist der Platz haupts√§chlich von √§lteren Herrn bev√∂lkert, die hier ihre t√§glichen Tai Chi-√úbungen absolvieren oder¬† Mah-Jong spielen.

Sehenswert ist eine Ecke weiter die ehemalige chinesische Telefonzentrale Рheute Bank of Canton Рan der Washington Street 743, die 1909 im Pagodenstil erbaut wurde. Zur Stärkung nach Ihrem Rundgang empfiehlt sich der Besuch eines der vielen Restaurants in Chinatown.

Lage: zwischen Kearny, Mason, Bush und Broadway Str.

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