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Vatikanische Museen

Vatikanische Museen
8. Juni 2017 uwefreund

Rom - Vatikanische Museen

Rom: Vatikanische Museen

Mit 1400 RĂ€umen sind die Vatikanischen Museen die grĂ¶ĂŸten ihrer Art. Möchte man nur die besonderen AusstellungsstĂŒcke betrachten, brĂ€uchte man schon gut zwei Tage Zeit. Trotzdem sollte kein Rom-Besucher sich die Raffaels Stanzen und die Sixtinische Kapelle entgehen lassen. Ansonsten sollte man sich gezielt Schwerpunkte setzen. Anhand von vier Farben kann man vorgegebenen Routen folgen.

Die GebĂ€ude, in denen heute die wertvollsten Kunstsammlungen der Welt untergebracht sind, waren ursprĂŒnglich als Palast fĂŒr die PĂ€pste Sixtus IV., Innozenz VIII. und Julius II. errichtet worden. Langgestreckte Höfe und Galerien (von Bramante 1503 entworfen) verbinden den Belvedere-Palast von Papst Innozenz mit den ĂŒbrigen Bauten. Die meisten anderen Anbauten entstanden im 18. Jahrhundert, als die pĂ€pstlichen Sammlungen zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugĂ€nglich gemacht wurden.

Museo Gregoriano Egizio:

Die acht RĂ€ume des Ägyptischen Museums (von Gregor XVI. neu begrĂŒndet) enthalten Mumien, Basalt- und Holzsarkophage, Köpfe von Götterstatuen und Pharaonen und monumentale Plastiken aus der Zeit von 3000 bis 100 v. Chr.

Museo Pio Clementino:

In den Vatikanischen Museen ist die umfangreichste antike Skulpturensammlung der Welt zu sehen. Die RĂ€ume des Museo Pio Clementino entstanden unter den PĂ€psten Clemens XIV. und Pius VI. und zeigen die wertvollsten StĂŒcke, die zum grĂ¶ĂŸten Teil in Rom und Umgebung gefunden wurden. Hervorzuheben sind (Sie werden von hinten durch das Museum gelotst!):

Saal X (Gabinetto del Apoxyomenos): Athlet Apoxyomenos aus dem 4. Jahrhundert.

Saal VIII (Belvedere-Hof): Hier befinden sich die berĂŒhmtesten Statuen des Vatikans, wie der Apoll von Belvedere (Kopie, um 190 n. Chr.), Perseus von Antonio Canova, Hermes aus der Hadrians-Zeit und vor allem die Laokoon-Gruppe (50 v. Chr.), ein Meisterwerk des Hellenismus.

Sala degli Animali: Realistische Tierstatuen aus Marmor oder Alabaster, Minotaurus-BĂŒste (Kopie des Originals aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.), usw.

Saal VII (Gabinetto delle Maschere): Mosaikfußboden mit Theatermasken aus der Villa Adriana in Tivoli, Venus von Knidos, Aphrodite des Praxiteles (Kopie, 4. Jahrhundert v. Chr.).

Saal V (Galleria delle Statue): Apollo Sauroktonos (Kopie einer Bronze aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.), Schlafende Ariadne, Candelabri Barberini (die schönsten Kandalaber der Antike aus der Villa Adriana bei Tivoli.

Saal III (Sala delle Muse): Torso del Belvedere (1. Jahrhundert n. Chr.), Statuen des Apoll und der Musen.

Saal II (Sala a Croce Greca): Porphyrsarkophag der Konstanze und der heiligen Helena, reich mit Figuren und Symbolen geschmĂŒckt.

Museo Chiaramonti:

Von Papst Pius VII. Chiriamonti gegrĂŒndetes Museum, das in einer langen Galerie Werke der griechischen und römischen Kunst (mit unterschiedlichem Wert) zeigt. Leider geht in diesem Museum die QuantitĂ€t vor QualitĂ€t. Es empfielt sich, eines der anderen Museen zu besuchen.

Museo Gregoriano Etrusco:

In 18 SĂ€len zeigt dieses von Papst Gregor XVI. gegrĂŒndete Etruskische Museum Kunstwerke und GebrauchsgegenstĂ€nde, die einen guten Einblick in das Leben der Etrusker bieten. Hervorzuheben sind: die Bronzestatue des Mars von Todi (4. Jahrhundert v. Chr.), die Stele des Palestrita (5. Jahrhundert v. Chr.), die umfangreiche Vasensammlung, der Kopf der Athene, ein Grabstein mit einem jungen Athleten und seinem Diener.

Biblioteca Apostolica Vaticana:

Gemessen an der Kostbarkeit ihrer Werke ist die Vatikanische Bibliothek die reichste der Welt. Seit ihrer GrĂŒndung durch Papst Nikolaus V. (1450) wurde sie systematisch ausgebaut. Sie enthĂ€lt neben den BĂŒchern seit Ende des 15. Jahrhunderts rund 25.000 handgeschriebene BĂŒcher aus dem Mittelalter, etwa 7000 Inkunabeln und 80000 Handschriften. In den Vitrinen, die in dem mehr als 70 m langen gewölbten Saal stehen, werden einige der wertvollsten Exemplare der Bibliothek gezeigt.

Museo Sacro:

Hinter der Biblioteca Vaticana befinden sich die SĂ€le, die das Museo Sacro beherbergen. Hier werden die Funde gezeigt, die man bei Ausgrabungen in den Katakomben und frĂŒhchristlichen Kirche in Rom und Umgebung gefunden hat.

Galleria dei Candelabri e degli Arazzi:

Hier kann man kostbare Wandteppiche aus dem 5. bis 17. Jahrhundert und römische Marmorkandelabern sehen.

Galleria delle Carte Geografiche:

In der 120 m langen Galerie der Landkarten werden alle Regionen Italiens, oft mit Stadtansichten und LandschaftsĂŒberblicken gezeigt, wie sie im Jahre 1580 aussahen.

Appartamento Borgia:

Papst Alexander VI. Borgia (1492-1503) ließ fĂŒr sich und seine Familie eine Privatwohnung im Vatikanischen Palast einrichten. Pinturicchio schmĂŒckte in den Jahren 1492-1495 mit seinen SchĂŒlern zusammen die WĂ€nde und Decken mit Fresken. Dabei wurden Themen der Renaissance, des Humanismus und der Antike aufgegriffen, in Verbindung mit christlichen Darstellungen gezeigt.

Stanzen des Raffael (Stanze di Raffaello):

Papst Julius II. beauftragte 1508 den jungen Raffael, die RĂ€ume ĂŒber dem Appartamento Borgia neu auszumalen. Dabei gingen zwar die frĂŒheren Fresken von Piero della Francesca, Andrea del Castagno und Benedetto Bonfiglio verloren, jedoch schuf Raffael in diesen RĂ€umen (Stanzen) sein absolutes Meisterwerk. Denn er erneuerte die traditionsreiche Gattung der historischen Malerei und setzte damit fĂŒr die folgenden Jahrhunderte neue MaßstĂ€be. Nur zwei RĂ€ume wurden von Raffael alleine ausgemalt. Die ĂŒbrigen Stanzen wurden nach seinem frĂŒhen Tod im Jahre 1520 von seinen SchĂŒlern nach EntwĂŒrfen des Meisters vollendet.

Raum I (Stanza dell’Incendio del Borgo, 1514-1517): Dieser pĂ€pstliche Speisesaal wurde als letztes und damit bereits fĂŒr den Nachfolger von Julius II., Papst Leo X., fertiggestellt. Als Themen wurden die Tugenden der NamensvorgĂ€nger von Leo vorgegeben. Die vier Hauptfresken zeigen die Krönung Karls des Großen im Petersdom durch Leo III., den Schwur Leos III., die Schlacht von Ostia, bei der Leo IV. 848 Gnade mit den besiegten Sarazenen erwies, sowie den Borgobrand, den Leo IV. 847 durch das Kreuzzeichen löschte.

Raum II (Stanza della Segnatura, 1508-1511): Dieser berĂŒhmteste Raum der Stanzen wurde von Raffael alleine geschaffen und zeigt das Genie des Meisters. Der Raum wurde als Erstes bearbeitet und diente Papst Julius als Bibliothek, in der er pĂ€pstliche Bullen signierte. Die vier Hauptfresken beinhalten eine FĂŒlle von Anspielungen auf Klassik und Religion. Das erste Fresko an der langen Wand ist der Theologie gewidmet. Es zeigt den Disput ĂŒber das Heilige Sakrament und teilt sich in zwei Bereiche, der irdischen DomĂ€ne mit PĂ€psten, Bischöfen usw. sowie der himmlischen DomĂ€ne mit Gottvater, Christus, der Jungfrau Maria usw. An der gegenĂŒberliegenden Wand wird die Schule von Athen gezeigt und widmet sich somit der Philosophie. In einem imaginĂ€ren Tempel werden Philosophie, Naturwissenschaften und Geisteskraft hervorgehoben. Einige der Figuren portrĂ€tieren die ReprĂ€sentanten der einzelnen Disziplinen.

Raum III (Stanza dEliodoro, 1512-1514): In diesem ehemals privaten Vorzimmer wird als Thema das Eingreifen der göttlichen Vorsehung zur Rettung des bedrohten Glaubens behandelt. Die vier Fresken sind dramatisch, farbiger und ausdrucksstÀrker. Das bedeutsamste GemÀlde an der Mittelwand zeigt die Vertreibung des Heliodor aus dem Tempel. Die Szene am Eingang stellt die Vertreibung des Attila durch Leo I. dar und an der linken Fensterwand kann man die Befreiung Petri aus dem GefÀngnis sehen. Das letzte Bild widmet sich der Messe von Bolsena.

Raum IV (Stanza di Costantino, 1517-1524): Diese Fresken mit Szenen aus dem Leben des Konstantin wurden nicht von Raffael gestaltet. Nur der Sieg des Konstantin ĂŒber Maxentius basiert auf einen Entwurf des Meisters.

Cappella di NiccolĂČ:

In der NĂ€he der Stanzen des Raffael liegt die Kapelle des Papst Nikolaus V. Diesen kleinen Andachtsraum schmĂŒckte Fra Beato Angelico von 1447-1449 mit zwei Freskenzyklen ĂŒber das Leben und Martyrium der beiden Heiligen Stephanus imd Laurentius aus.

Cappella Sistina (Sixtinische Kapelle):

An der Stelle der Cappella magna (Papstkapelle) aus dem 13. Jahrhundert ließ Papst Sixtus IV. in den Jahren 1473-1484 die Sixtinische Kapelle errichten. Ihre Maße enstprechen denen des Tempels von Salomon: 13, 29 m hoch, 40,93 m lang, 13,71 m breit. Verschiedenartige geometrische Musterungen des Marmorfußbodens und eine Marmorschranke mit Eisengittern unterteilen den Raum in Presbyterium und den Bereich fĂŒr die GlĂ€ubigen.

Die Kapelle wird als pĂ€pstliche Hauskapelle und fĂŒr Gottesdienste bei feierlichen AnlĂ€ssen genutzt. Des Weiteren findet hier nach dem Tod eines Papstes das Konklave statt, um ein neues Oberhaupt der katholischen Kirche zu wĂ€hlen.

1985 entschloss man sich, die Fresken der Sixtinischen Kapelle vom jahrhundertealtem Schmutz und Kerzenrauch zu befreien. Diese Restaurationsarbeiten finden nicht allgemeine Zustimmung, da die nun wieder leuchtenden Farben angeblich Michelangelos Werk karrikieren, bzw. die Patina des Alters zu den GemÀlden gehören soll.

Die SeitenwĂ€nden zwischen den Fenstern sind mit Fresken bedeckt, die von den berĂŒhmtesten Meistern dieser Zeit ausgefĂŒhrt wurden: Perugino, Botticelli, Rosselli, Pinturicchio, Signorelli und Ghirlandaio. Gezeigt werden biblische Szenen aus dem Hintergrund der ihnen bekannten Landschaften Umbriens und der Toskana. Die linke Wand zeigt Szenen aus dem Leben des Moses: die Beschneidung, Moses mit den Schafen und dem brennenden Dornbusch, Zug der Juden durch das Rote Meer, Moses mit den Gesetzestafeln usw. Die rechte Wand stellt Ereignisse aus dem Leben Christi dar: seine Taufe im Jordan, geheilte AussĂ€tzige, die Versuchungen Christi (von Botticelli geschaffen), die Berufung der JĂŒnger, Bergpredigt, das Letzte Abendmahl.

Die Fresken an der Decke fĂŒhrte Michelangelo in den Jahren 1508-1512 zumeist eigenhĂ€ndig aus. Sein Thema war die Erschaffung der Welt, wie sie die Bibel berichtet. Besonders kĂŒhn ist ihm dabei die Erschaffung Adams gelungen, was vom Genie des Meisters zeugt. Die Personendarstellung wirken in allen Szenen Ă€ußerst plastisch und zeigen leidenschaftliche Bewegtheit.

Fast 22 Jahre spĂ€ter begann Michelangelo unter Papst Paul III. mit dem Fresko an der Altarwand. Dieses ist vielleicht noch großartiger als das DeckengemĂ€lde: Michelangelos Sicht des JĂŒngsten Gerichtes ist dĂŒster und desillusioniert, was sicherlich nicht nur mit dem Thema, sondern auch mit seinen persönlichen Erlebnissen zusammenhing (Papst Julius II. beschrieb ihn als furchterregend). Insgesamt schuf er 391 Figuren, die man zum Teil an den Attributen erkennen kann, mit denen Michelangelo sie versehen hatte.

Museo delle Carroze:

1973 öffnete das Kutschenmuseum des Vatikans seine Pforten. Gezeigt werden die Staatskarossen von PÀpsten und KardinÀlen und eine Reihe von Oldtimern.

Collezione d Arte Religiosa Moderna:

Papst Paul VI. (1963-1978) war bekannt fĂŒr sein reges Interesse fĂŒr die moderne religiöse Kunst. Deshalb war es nur verstĂ€ndlich, dass er 55 SĂ€le zur VerfĂŒgung stellte, die Werke zeigt, die den PĂ€psten geschenkt wurden bzw. von diesen erworben worden waren. 800 Werke von KĂŒnstlern aus aller Welt sind zu sehen, darunter Matisse, Barlach, DalĂŹ, Munch, Ernst, Beckmann, Nolde, Kandinsky, Greco, Sutherland, Rodin, Corbusier usw.

Museo Gregoriano Profano:

In diesem Museum werden Werke nichtreligiöser Kunst ausgestellt. Die Sammlung besteht in erster Linie aus klassischen Skulpturen, Reliefs, GrabmĂ€lern und Sarkophagen, teils römische Originale, teils Kopien frĂŒher griechischer Werke.

Pinacoteca (Pinakothek):

Die von Papst Pius VI. gegrĂŒndete Vatikanische Pinakothek zeigt in 16 SĂ€len in chronologischer Reihenfolge GemĂ€lde vom Mittelalter bis heute. Besonders sehenswert sind:

Saal I: Byzantinische, sienesische, umbrische und toskanische Werke des Mittelalters

Saal II: Giottos dreiteiliger FlĂŒgelaltar

Saal III: Szenen aus dem Leben den Heiligen Nikolaus von Bari (Fra Angelico) sowie ein Triptychon von Filippo Lippi

Saal IV: Werke von Melozzo da ForlĂŹ

Saal V und VI: Altarbilder, die Pietà von Lukas Cranach d. Ä.

Saal VII: Madonna und die Heiligen von Perugino, Krönung der Jungfrau von Pinturicchio

Saal VIII: Dieser Saal ist Raffael gewidmet. Zu sehen sind sein letztes GemĂ€lde VerklĂ€rung, Madonna von Foligno und Krönung der Jungfrau. Des Weiteren sind hier auch die zehn Wandteppiche ausgestellt, die er fĂŒr die Sixtinische Kapelle entwarf.

Saal IX: das unvollendete GemÀlde Heiliger Hieronymus von Leonardo da Vinci, Pietà von Giovanni Bellini

Saal X: Altarbilder von Caravaggio (Kreuzabnahme), Guido Reni (Kreuzigung Petri), Domenichino (Letzte Kommunion des Heiligen Hieronymus) und Poussin (Martyrium des Heiligen Erasmus)

In den folgenden RĂ€umen werden spĂ€te Werke von Tizian, Caravaggio sowie von niederlĂ€ndischen und flĂ€mischen Meisten gezeigt. Außerdem kann man hier eine Sammlung pĂ€pstlicher Portraits betrachten.

CittĂ  del Vaticano, Eingang: Viale Vaticano (Stadtteil: Vatikan)

Tel.: 6 98 33 33

U-Bahn: Metro A (Ottaviano)

Bus: alle halbe Stunde fÀhrt ein Bus vom Petersplatz ab. Die Haltestelle befindet sich links von der Fassade der Peterskirche

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