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Kolosseum

Kolosseum
8. Juni 2017 uwefreund

Rom - Kolosseum

Rom: Kolosseum

Das Kolosseum ist das größte antike und gleichzeitig das bekannteste Baumonument Roms. Mit ein wenig Fantasie kann sich jeder vorstellen, wie hier Gladiatoren kämpften und die Zuschauer tobten.

Kaiser Vespasian regte 72 n. Chr. den Bau einer Arena an (w√§hrend des Brandes von Rom war auch das alte Theater zerst√∂rt worden) und zwar auf dem Grundst√ľck, auf dem sein ermordeter Vorg√§nger Nero mit dem Bau seines Domus Aurea (Goldenes Haus) begonnen hatte. Hierf√ľr musste Neros k√ľnstlicher See trockengelegt (dessen Abflusskan√§le sind zum Teil heute noch in Betrieb) und eine sieben Meter dicke Grundmauer eingezogen werden. F√ľr das Kolloseum wurden rund 100.000 m¬≥ Travertinbl√∂cke verbaut. Es besa√ü die gewaltigen Ausma√üe von 57 m H√∂he, ein L√§nge von 186 m und eine Breite von 156 m. Die Arena war 48×76 m gro√ü. Dieser Ort der Volksbelustigung fasste rund 50.000 Zuschauer, nach anderen Sch√§tzungen sogar 70.000.

80 n. Chr. fand unter Kaiser Titus die Er√∂ffnung mit gigantischen Spielen statt: 5000 Tiere wurden abgeschlachtet, Hunderte von Gladiatoren kamen ums Leben. Letzte Hand an das monumentale Geb√§ude legte Domitian (81-96 n. Chr.), der die oberste Galerie anbauen lie√ü. √úber dem oberen Stockwerk sch√ľtzte eine riesige, von 240 Masten gehaltene Plane aus Segeltuch die Zuschauer vor Sonne und Regen.

Interessant an der Architektur des Geb√§udes sind u. a. die Halbs√§ulen an den √§u√üeren Arkaden. Denn die unterste Arkade zieren dorische, die erste ionische und die zweite Arkade korinthische S√§ulen. Durch die 80 nummerierten Rundbogen des Erdgeschosses (vier Haupteing√§nge waren den Honoratioren vorbehalten) konnten die Zuschauer in k√ľrzester Zeit ihre Pl√§tze erreichen. Wer wo zu sitzen hatte, war streng festgelegt und wurde von einem designator √ľberwacht: In den ersten Reihen sa√üen die Senatoren auf namentlich gekennzeichneten Sitzen (auf einigen kann man die Namen heute noch erkennen). Auf den unteren Reihen nahmen auch der Kaiser, der Hofstaat und die Vestalinnen Platz. F√ľr die Aristokratenfamilien waren die zweiten R√§nge vorbehalten. Dahinter – auf den dritten R√§ngen – verteilte sich das gemeine Volk. Frauen hatten ganz oben zu sitzen, also auf den schlechtesten Pl√§tzen. Dabei sollten sie nicht etwa von den blutigen Szenen in der Arena abgeschottet werden. Nein, vielmehr sollte das Anbandeln zwischen den Geschlechtern verhindert werden!

Das Innere des Kolosseums ist heute nicht mehr sehr ansprechend. Dies hat verschiedene Gr√ľnde: Zum einen hat man die Verkleidung aus Marmor im Laufe der Jahrhunderte entfernt, zum anderen diente das Geb√§ude lange Zeit als Steinbruch f√ľr zahlreiche Bauten in Rom, wie f√ľr den Palazzo Venezia, den Palazzo Farnese und zum Teil f√ľr die Peterskirche. Au√üerdem wurden die unterirdischen Stollen und G√§nge freigelegt, so dass die Arena nun wie freigelegte Eingeweide wirkt. Dort befanden sich fr√ľher die R√§ume der Gladiatoren und die K√§fige der wilden Tiere. Den Boden der Arena bildeten Holzplanken, √ľber denen eine Sandschicht den Gladiatoren Halt bot und wie ein Schwamm das Blut aufsog. Im Theater konnten angeblich auch Seeschlachten (naumachien) abgehalten werden.

Die Holzteile des Kolosseums brannten mehrere Male ab und wurden erneuert. Starke Beschädigungen erlitt das Gebäude jedoch durch die Erdbeben in den Jahren 429 und 443.

Im Jahre 404 wurden die Gladiatorenk√§mpfe verboten. Der Grund hierf√ľr war der M√∂nch Telemachos, der sich gegen die Spiele ereiferte und deshalb in die Arena sprang. Als Dank wurde er darauf von der erbosten Menge zerrissen. Daraufhin lie√ü Kaiser Honoratius die Spiele verbieten. Bis 523 n. Chr. fanden dort aber noch Tierhetzen statt. Constans II. lie√ü 664 n. Chr. die Metallklammern, die die Travertinbl√∂cke zusammenhielten, entfernen und einschmelzen. Dadurch entstellen heute zahlreiche L√∂cher das Geb√§ude wie Pockennarben. Im Mittelalter baute die Familie Frangipani das Kolosseum zu einer Festung aus. Dann ging das Geb√§ude an die Annibaldis √ľber, und 1312 schenkte Kaiser Heinrich VII. das Kolosseum der Stadt Rom. Diese nutzte es dann – wie bereits gesagt – als Steinbruch. Erst Papst Benedikt XIV. setzte 1744 diesem Missbrauch ein Ende. Er glaubte, dass hier Christen w√§hrend der Verfolgungen ihr Leben lassen mussten (was zeitlich jedoch gar nicht sein kann) und weihte das Kolosseum ihrem Gedenken. Seine Nachfolger begannen dann, dass Geb√§ude zu restaurieren.

Das Kolosseum hie√ü urspr√ľnglich eigentlich Amphittheatrum Flavium, da seine Erbauer aus dem Geschlecht der Flavier stammten. Vor dem Kolosseum soll aber eine 35 m hohe kolossale Statue von Nero gestanden haben. Dieser ist es wohl zu verdanken, dass das Theater ab dem 7. Jahrhundert als Colosseo bezeichnet wurde.

Piazza del Colosseo, Tel.: 7 00 42 61

U-Bahn: Metro B (Colosseo)

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