Wenn es einen charakteristischen Gebäudetyp für San Francisco
gibt, so sind es die Victorians. Ca. 16 000 haben das Erdbeben von
1906 überstanden und sind zum Großteil restauriert worden. Heute
erzielen die Häuser hohe Preise auf dem Immobilienmarkt, in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Victorians gebaut wurden, waren
sie vor allem deshalb so beliebt, weil sie sich serienmäßig, d. h. günstig produzieren ließen; ein Haus der unteren Preisklasse
war damals bereits für 800 Dollar zu haben. Die Massenproduktion von Nägeln
und die Entwicklung von leistungsfähigen Holzsägen machte ein
maschinelles Aussägen von Zierleisten, Säulen und Simse möglich.
Darüberhinaus boten viele der Häuser den Komfort von Elektrizität,
fließendem Wasser und Sanitäreinrichtungen.
Verschiedene Stile kamen für die Victorians in Mode: herrschte
zwischen 1850 und 1885 ein italienisierender Stil vor, der Elemente von
den Renaissance-Palazzi Norditaliens borgte, verbreitete sich ab 1860 der Stick- oder auch nach dem Londoner Designer benannte Stick-Eastlake-Stil.
Die meisten der viktorianischen Häuser sind in diesem Stil erbaut,
leicht zu erkennen an den Erkern, der reichen Verwendung von verzierten
Fenster- und Türgiebeln und der Betonung der vertikalen Linien. Beispielhaft
für den Stick-Stil ist das
Haas-Lilienthal-Haus.
Am verspieltesten
ist der Queen-Anne-Stil, der gegen Ende des Jahrhunderts populär wurde.
Türmchen, Zierpanele, geschwungene Fensterrahmen, und ein fröhliches
Mischen von unterschiedlichen architektonischen Stilen kennzeichnen diese
Richtung. Die Anstriche in bunten Farben sind allen Stilen gemeinsam und
verhalfen den Häusern zu der Bezeichnung "Painted Ladies".
Im Stadtteil
Pacific Heights, in der
Haight, in der Castro
und in Noe Valley lassen sich die Victorians bewundern,
und natürlich als Postcard Row am Alamo Square.