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Geschichtlicher Überblick

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8. Juni 2017 uwefreund

New York - Geschichtlicher Überblick

New York: Geschichtlicher Überblick

New Yorks bewegte Geschichte

New York zählt zu den ältesten Städten Nordamerikas. Bevor der florentinische Kaufmann Giovanni da Verranzano im Jahre 1524 die Insel Manhattan entdeckte, wurde sie von den Alonquin-Indianern bewohnt, die die Insel „Manna-hatta“ nannten. Diese lebten in losen Verbänden an der Nordostküste und waren in erster Linie Farmer, Jäger und Fischer.

Obwohl Verranzano euphorische Berichte über das „weite, schöne Land“ ablieferte, war das Interesse in Europa für dieses entfernte Stück Erde begrenzt. Dies änderte sich erst 1609, als der gebürtige Engländer Henry Hudson im Auftrag einer holländischen Handelsgesellschaft versuchte, eine Nordwest-Passage nach Indien zu finden. Zwar war er bei seiner Suche erfolglos, jedoch erkannte er, dass das Waldgebiet am Fluss, der später nach ihm „Hudson River“ benannt wurde, ideale Handelsbedingungen bot. So erwarb die Holländische Westindische Kompanie 1621 die Exklusiv-Handelsrechte für die ganzen „Neu-Niederlande“, die sich von Cape May (New Jersey) bis nach Neuengland erstreckten. Die Gesellschaft errichtete an der Küste und an den Flüssen Handelsstationen.

Ab 1626 ließen sich immer mehr niederländische Auswanderer in Manhattan nieder und nannten die so entstandene Siedlung „Nieuw Amsterdam“. Unter den ersten Einwanderern befand sich auch Peter Minuit (oder Minnewit). Dieser machte 1626 ein für das Land schicksalhaftes Geschäft: Er tauschte gegen ein paar Glasperlen, Messer und Beile (im Wert von rund 60 Gulden) die gesamte Insel Manhattan ein.

Die Kolonie bestand zu dieser Zeit aus wenigen Holzhütten, die Bewohner waren Sklaven, Sträflinge, religiöse Fanatiker und Heimatlose. Verbrechen waren an der Tagesordnung. Weder Peter Minnewit, der der erste Gouverneur von Manhattan wurde, noch seine Nachfolger schafften es, Ordnung in diese explosive Lage zu bringen. Hinzu kamen ständige Scharmützel mit den Indianern. Deshalb ernannte die Holländische Westindische Kompanie Peter Stuyvesant zum neuen Gouverneur. Dieser war als kompromisslos bekannt und brachte den Einwanderern mit rigorosen Mitteln Zucht und Ordnung bei. Zwar hatte er keine Freunde, jedoch waren seine Verdienste für die Stadt unbestritten. 1653 ließ er im Norden der Siedlung eine Stadtmauer gegen die Indianer bauen. An dieser Stelle verläuft heute die Wall Street, wodurch diese ihren Namen hat.

Stuyvesant duldete keine politische Opposition und ließ zunächst nur Protestanten ins Land. Erst unter dem Druck der Westindischen Gesellschaft, zu deren Aktionären auch reiche Amsterdamer Juden gehörten, war er bereit, Juden aufzunehmen. Die Einwohnerzahl stieg in dieser Zeit auf 1500 Menschen.

Stuyvesant konnte zwar in der Stadt eine gewissen Ordnung einführen, jedoch konnte er nicht verhindern, dass 1664 die Briten die niederländische Kolonie übernahmen. Stuyvesant wollte die Briten mit Waffen empfangen, die Bewohner jedoch waren froh, ihn loszuwerden, und ergaben sich kampflos. Die Stadt bekam einen neuen Namen: „New York“ (nach dem Herzog von York, dem Bruder des Königs).

Aber auch die Briten hatten ihre liebe Last mit den New Yorkern. 1689 nutzte der aus Frankfurt stammende Milizhauptmann Jacob Leisler die Abwesenheit des Gouverneurs für eine Revolte. Nachdem die Briten die Macht wieder zurückgewonnen hatten, wurde er öffentlich gehenkt.

Noch mehr Probleme bereiteten den Briten jedoch die Autonomiebestrebungen ihrer Untertanen in der Neuen Welt. So versuchten sie durch hohe Zölle den Handel zu kontrollieren, was jedoch immer wieder durch Piraten und Schmuggler vereitelt wurde. Hinzu kam ein Problem, dem sich auch heute Politiker ausgesetzt fühlen: die Presse. 1733 gründete der aus Deutschland eingewanderte Johann Peter Zenger das „New York Weekly Journal“. Aufgrund seiner Kritik am Gouverneur musste er 10 Monate in den Kerker, wurde jedoch 1735 in einem Aufsehen erregenden Prozess freigesprochen. Dieser Entscheid gilt als Meilenstein in der Geschichte der Pressefreiheit.

New York und der Unabhängigkeitskrieg

Immer wieder versuchten die Briten durch Zölle, die Kolonisten in ihre Schranken zu weisen. Dies führte schließlich auch in New York am 22. April 1774 zu einer „Tea Party“: Die New Yorker brachten ein englisches Schiff in ihre Gewalt und warfen die Teekisten ins Wasser, um so gegen die Teesteuer zu protestieren.

Ein Jahr später begann schließlich in Lexington, Massachusetts, der amerikanische Unabhängigkeitskrieg. Als die Unabhängigkeitserklärung in New York verlesen wurde, zog der Mob den Broadway hinunter und stieß die Statue von König George III. in Bowling Green vom Sockel.

Zwar konnte General George Washington in Boston einen schnellen Sieg gegen die Briten erzielen, jedoch verließ ihn in New York das Glück. Washington musste von New Jersey aus mit ansehen, wie die übermächtigen Briten mehr als 5.000 seiner Männer hinmetzelten. Sieben Jahre lang befand sich New York in britischer Hand. Während dieser Zeit zerstörte ein Großfeuer ein Viertel der Stadtfläche, und die meisten der rund 25.000 Bewohner verarmten. 1784 wurde trotzdem New York die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates und der Vereinigten Staaten von America.

1785 kam George Washington erneut nach New York, doch dieses Mal um die erlangte Freiheit zu feiern. Und vier Jahre später (1789) leistete er in der Federal Hall seinen Amtseid als erster Präsident der USA.

1790 verlor New York seine Rolle als Hauptstadt an Philadelphia. Langsam begann die Stadt, sich zur Wirtschaftsmetropole der USA zu entwickeln. Entscheidend war hierfür die Gründung der Börse im Jahre 1792.

New York im 19. Jahrhundert

Anfang des 19. Jahrhunderts war New York noch immer eine kleine Stadt mit nur rund 35.000 Einwohnern. Die Straßen waren schlecht, sanitäre Einrichtungen nahezu unbekannt. Wen wundert’s, dass das Gelbfieber ausbrach. Einige Einwohner flüchteten nach Greenwich Village, die meisten harrten jedoch in ihren Häusern südlich der Canal Street aus.

Nachdem die Besiedlung nördlich der City Hall eingesetzt hatte, beauftragten die Stadtverordneten eine Kommission mit der städtebaulichen Planung für New York. 1811 legt John Randal einen städtebaulichen Entwurf vor, der Manhattan in ein Rechteck-Raster aus 30 m breiten Avenues in Nord-Süd-Richtung und 18 m breiten, durchnummerierten Querstraßen einteilte. Randal sah bereits eine Bebauung bis zur 155th Street vor – diese wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts realisiert.

Zwischen 1810 und 1840 wuchs New York enorm an: die Einwohnerzahl stieg auf 312.000 Menschen. Insbesondere Europäer kamen nach New York, um hier ihr Glück zu versuchen. In den 80er Jahren strömten immer mehr Menschen ein. In diesem Jahrzehnt kamen mehr als 1 Mio Deutsche an, und als Folge der Pogrome in Russland nahm die Anzahl der einwandernden Juden stetig zu. 1892 schließlich wurde auf Ellis Island ein Einwanderungszentrum eröffnet. Bis zu seiner Schließung 1954 betraten rund 17 Mio Einwanderer auf Ellis Island amerikanischen Boden.

1898 wurden die noch heute existierenden Stadtteilen Manhattan, Brooklyn, Queens, Bronx und Staten Island zu „Greater New York“ zusammengefasst. Mit ihren 7,3 Mio Einwohnern ist die Stadt die drittgrößte der Welt.

Einschneidend für New York war aber auch ein anderes Ereignis: der Amerikanische Bürgerkrieg (1861-1865). Die Stadt stellte für den Krieg mehr als 80000 Freiwillige und beträchtliche Geldmittel zur Verfügung. 1863 wurde die allgemeine Wehrpflicht eingeführt, um genügend Soldaten für den Krieg zu haben. Reiche Männer konnten sich jedoch mit 300 Dollar hiervon freikaufen, was in New York zu schweren Unruhen führte.

Das 19. Jahrhundert war für New York vor allem wirtschaftlich entscheidend. Männer wie Vanderbilt, Rockefeller und Astor wurden durch Handelsgeschäfte und Spekulationen immens reich. Das Bankengeschäft entwickelte sich zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor. Einen weiteren Meilenstein für den wirtschaftlichen Erfolg New Yorks war 1825 die Eröffnung des Erie-Kanals. Hierdurch erhielt New York eine direkte Seeverbindung nach Chicago.

Der wirtschaftliche Erfolg machte sich vor allem im Bild der Stadt bemerkbar: 1883 wurden die Brooklyn Bridge und die Metropolitan Opera eröffnet, 1886 die Freiheitsstatue und 1891 die Carnegie Hall mit einem Konzert unter der Leitung von Peter Tschaikowski eingeweiht. 1835 konnte es sich die Stadt bereits leisten, die Gastgeberrolle für die Weltausstellung zu übernehmen. Und 1904 nahm New York als sechste Stadt der Welt eine Untergrundbahn in Betrieb. Sie verband die City Hall mit dem Times Square. Mit mehr als 400 Kilometern Gleisen ist sie heute die längste der Welt.

New York zwischen den Weltkriegen

Um 1900 war New York das Industriezentrum Amerikas. Über 70 % aller Firmen hatten in der Stadt ihren Firmensitz, zwei Drittel aller Importwaren gelangten über den New Yorker Hafen in die USA. Die Reichen wurden immer reicher, die Armen wurden dagegen immer ärmer. Die Lebens- und Arbeitsumstände waren unerträglich. Erst nachdem am 25. März 1911 in einer Bekleidungsfirma ein Brand ausbrach und dabei 146 Arbeiterinnen ums Leben kamen, begann man mit Reformen.

Der 1. Weltkrieg hinterließ in New York kaum Spuren. Zwei Divisionen hatte die Stadt nach Europa entsandt, die bei ihrer Rückkehr kaum eine Veränderung vorfanden. Jedoch brachte das Ende des Krieges einen waren Wirtschaftsboom für New York, und wie überall standen die 20er Jahre in New York im Zeichen der Lebensfreude. Diese wurde am 29. Oktober 1929 jäh unterbrochen: am „Schwarzen Freitag“ kam es zum Börsenkrach. Tausende von Menschen verloren ihr Geld, ihre Arbeit und ihre Wohnungen. In den folgenden zehn Jahren mussten ein Drittel der Industriebetriebe schließen und das Lohnniveau sank um die Hälfte. Hinzu kam noch ein weiteres „Übel“: die Prohibition. 13 Jahre lang durfte offiziell kein Alkohol verkauft oder in Lokalen ausgeschänkt werden.

Trotz der Wirtschaftskrise wurden wichtige Bauvorhaben durchgeführt. Hatte man bereits 1913 New Yorks ersten Wolkenkratzer, das Woolworth Building, gebaut, so entstanden nun das Empire State Building (1929-31), das Chrysler Building und das Rockefeller Center.

1934 bekam New York einen neuen Bürgermeister, der sich als Retter in der Not für die wirtschaftlich stark gebeutelte Stadt erwies: Fiorello LaGuardia. Er startete Hilfs- und Bauprogramme, legte Parks an und förderte die Künste. Bis 1945 führte LaGuardia New York wieder an die Spitze des wirtschaftlichen Erfolgs.

Als die USA 1941 in den 2. Weltkrieg eintrat, leisteten auch die New Yorker ihren Kriegsbeitrag. Man verhaftete Deutsche als Spione und sperrte japanische Familien auf Ellis Island in ein Gefängnis.

Das heutige New York

Nach dem 2. Weltkrieg erlebte New York seine besten und schlechteste Zeiten. 1947 errichteten die Vereinten Nationen in der Stadt ihre Zentrale, immer mehr Wolkenkratzer in abenteuerlichen Glas-Stahl-Konstruktionen wurden gebaut. In den 70er Jahren ging die Finanzmetropole der Welt fast bankrott, in den 80er Jahren dagegen wurden an der Wall Street Spitzenwerte notiert.

Auch politisch ging es bergauf und -ab. 1947 wurde William O’Dwyers Bürgermeister. Er hatte gute Kontakte zur Unterwelt, und Glücksspiel, Prostitution und Erpressung waren an der Tagesordnung. Zwar verheilten diese Wunden unter dem neuen Bürgermeister Robert Wagner wieder, jedoch zeichnete sich nun ein sozialer Wandel an, der die folgenden Jahre beherrschte. Ende der 40er Jahre schwappte eine Einwanderungswelle von Puertoricanern über New York, und die schwarze Bevölkerungszahl nahm enorm zu. Rassenunruhen waren die Folge und die Bürgerrechtsbewegungen versuchten, die Rechte der Farbigen einzufordern.

In den 60er Jahren erreichten die „Black Power“- und Antikriegsbewegungen ihren Höhepunkt. Demonstrationen arteten in offenen Aufruhr aus, der von der Polizei blutig niedergeschlagen wurde. Sechs Tage lang zog die aufgebrachte Menge durch Harlem, zündete die Häuser Weißer an, plünderte Geschäfte und ließ ihren Hass an Passanten aus. Zwar beruhigte sich die Lage in der Folgezeit, die Verbitterung bei den Farbigen blieb.

So zeigt sich New York auch heute noch von mehreren Seiten. Zum einen gibt es die Erfolgreichen, zum anderen findet man überall Zeichen der Armut: Obdachlose an den Straßenecken, Aidskranke und Drogenabhängige.

Aber alle Gegensätze machen das aus, was New York eben ist: chaotisch, überbevölkert, im Verkehrschaos erstickend. Welche Stadt besitzt eine derartige Silhouette, bestehend aus in den Himmel ragenden Wolkenkratzern? Und wo findet man noch derartige Weltklasse-Museen und -Theater, hervorragende Kunstgalerien, eine unüberschaubare Auswahl an Restaurants und Shopping-Möglichkeiten? New York lebt im Chaos, aber braucht dieses auch, um eben New York zu sein!

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