Seit dem Mai 1993 besitzt die Stadt München wieder eine weitere Sehenswürdigkeit: die
Staatskanzlei. Trotz heftiger Proteste der Münchener Bürger und des damaligen
Oberbürgermeisters Kronawitter setzte sich der damalige Ministerpräsident Franz Josef
Strauß durch, und Max Streibl führte das Prestigeprojekt weiter. Im Februar 1990
begannen die Arbeiten am Ostende des Hofgartens und endeten 1993 mit der Einweihung. Die
Bayern besitzen nun einen Regierungssitz, der größer ist als das Weiße Haus in
Washington, und rund 120 Mio. Euro gekostet hat.
Die Westseite der Bayerischen Staatskanzlei wirkt wie das riesige Glashaus einer
Gärtnerei, während die Ostseite wie eine Zitadelle aus dem 19. Jahrhundert aussieht. Die
Mitte des langgestreckten Baus bildet das ehemalige Armeemuseum von 1906 (im 2. Weltkrieg
zerstört), erkennbar an der unbayerischen Kuppel in klassizistischer Architektur. Das
Innere des Gebäudes dagegen ist hochmodern, das einzige urbayerische ist eine gemütliche
Zirbelstube mit zwei achteckigen Wirtshaustischen.
Am Nordrand des Gebäudes befinden sich noch Renaissance-Arkaden aus dem 16. Jahrhundert.
Deren Abriss für den Neubau konnte gerade noch verhindert werden. Bei den Baumaßnahmen
stieß man auf ein Brunnenhaus mit Pumpwerk, das dem Baumeister Leo von Klenze
zugeschrieben wird. Es ist ein frühes Denkmal des im 19. Jahrhundert beginnenden
technischen Zeitalters.