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Reichstag

Wie kaum ein anderes Gebäude repräsentiert das Reichstagsgebäude das Schicksal der Deutschen Nation. Nachdem 1871 Berlin zur Hauptstadt des Deutschen Reiches wurde, benötigte der Reichstag einen repräsentativen Sitz. Am 9. Juni 1884 legte Kaiser Wilhelm I. selbst den Grundstein, am 5. Dezember 1894 setzte Kaiser Wilhelm II. den letzen Stein für das wuchtige Bauwerk im Stil der italienischen Hochrenaissance. 24 Jahre lang tagte das Parlament des Kaiserreiches in dem Prunkbau, bis Philipp Scheidemann 1918 vom Balkon im 1. Stock die Republik ausrief.

Am 27. Februar 1933 brannte der Reichstag. Bis heute ist nicht aufgeklärt, wer nun wirklich die Brandstifter waren. Die Nazionalsozialisten behaupteten die Kommunisten, diese beschuldigten die Nazis. Verurteilt wurde dagegen der Niederländer Marinus van der Lubbe. 1981 hat man dessen Alleintäterschaft zwar aufgehoben, heute scheint historisch gesehen dessen Tat wieder als bewiesen.

Der Reichstagsbrand hatte große politische Bedeutung: Er war der Anlass für die Notverordnung des Reichspräsidenten vom 28. Februar 1933, die wichtige Grundrechte der Weimarer Verfassung aufhob und Hitler kurz vor der Reichstagswahl am 5. März 1933 die Gelegenheit gab, seine politischen Gegner zu verfolgen.

Was das Feuer noch übriggelassen hatte, wurde am Ende des 2. Weltkrieges durch Beschuss und Plünderung zerstört. Berühmtheit erlangte das Bild, wie zwei Soldaten der Roten Armee die Sowjetische Fahne auf der Ruine hissten. Bis 1970 dauerte der Wiederaufbau des Reichstagsgebäudes. Die 1957 gesprengte Kuppel wurde nicht wieder errichtet, ebenso wenig wurde der reiche bildnerische Schmuck erneuert.

Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten fand am 4. Oktober 1990 die erste Sitzung des gesamtdeutschen Parlaments und am 17. Januar 1991 die konstituierende Sitzung des am 2. Dezember 1990 gewählten gesamtdeutschen Bundestages im Reichstag statt. Mit dem Beschluss des Deutschen Bundestages vom 27. Juni 1991 wurde Berlin nicht nur wieder Hauptstadt, sondern auch Regierungssitz und der Reichstag somit erneut zum Tagungsort des Parlaments. Bis jedoch der Bundestag dort seinen endgültigen Einzug halten soll, sind aufwendige Umbauarbeiten notwendig. Wie der Reichstag dann aussehen wird, ist noch immer ungeklärt.

Im Westflügel des Reichstagsgebäudes ist in sechs Räumen die Ausstellung Fragen an die deutsche Geschichte untergebracht, die nach Zeitabschnitten gegliedert ist: Raum I: Von der ständischen zur bürgerlichen Welt, Raum III: Die Revolution 1848/49, Raum IV: Industrielle Revolution und Reichsgründung - Das kaiserliche Deutschland, Raum V: Die Weimarer Republik, Raum VI: Das Dritte Reich, Raum VII: Die Entstehung und Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland. Als Sonderschau wird Das parlamentarische Berlin angeboten.

Platz der Republik. Tel.: 39 77-0.

S-Bahn: S1, S2 (Unter den Linden)

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